Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote der Türkei sank im zweiten Quartal 2026 um 0,3 Prozentpunkte auf 7,9%. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg um 155.000 auf 32,48 Millionen. Für Unternehmen und Anleger aus Deutschland und Europa ist die Zusammensetzung entscheidend: Dienstleistungen expandierten, während die Industrie Beschäftigung abbaute.
Die Verbesserung braucht Kontext
Die Zahl der Arbeitslosen ging um 84.000 auf 2,80 Millionen zurück, die Beschäftigungsquote stieg leicht auf 48,5%. Gleichzeitig sank die Erwerbsquote um 0,1 Punkte auf 52,7%. Die Arbeitslosenquote allein bildet daher nicht das gesamte verfügbare Arbeitskräfteangebot ab.
Dienstleistungen trugen das Wachstum
Im Dienstleistungssektor kamen 240.000 Erwerbstätige hinzu, im Bau 25.000 und in der Landwirtschaft 10.000. Die Industrie verlor dagegen 121.000. Dienstleistungen stellen nun 59,8% der Beschäftigung, die Industrie 19,7%.
Große Unterschiede nach Geschlecht und Alter
Die Jugendarbeitslosigkeit sank auf 13,9%, lag bei jungen Frauen mit 19,3% aber deutlich über den 11,0% der Männer. Insgesamt betrug die Arbeitslosenquote der Frauen 10,3% und ihre Beschäftigungsquote 31,6%, gegenüber 65,8% bei Männern.
Breite Unterauslastung bleibt hoch
Der umfassendere Indikator aus Unterbeschäftigung, Arbeitslosen und potenziellen Erwerbspersonen lag bei 29,9% und sank nur um 0,2 Punkte. Er signalisiert ein deutlich größeres ungenutztes Arbeitskräftepotenzial als die enge Arbeitslosenquote.
Einordnung für europäische Unternehmen
Die landesweite Erhebung ist kein regionaler Lohn- oder Fachkräfteindikator. Standortentscheidungen sollten zusätzlich Branchenproduktion, offene Stellen, Qualifikation, Löhne, Währung und regionale Unterschiede berücksichtigen. Die nächste Quartalsveröffentlichung ist für den 18. November 2026 angekündigt.