Türkische Unternehmen nutzten 2025 indirekte Steueranreize für Forschung und Entwicklung im Umfang von 169,033 Mrd. Lira, 59,5% mehr als im Vorjahr. Das teilte TÜİK am 4. September 2026 mit. Insgesamt profitierten 11.835 Unternehmen. Informations- und Kommunikationsfirmen waren zahlenmäßig die größte Gruppe; im gesonderten F&E- und Designregime dominierte dagegen die Industrie. Für deutsche und europäische Unternehmen ist das ein Standortsignal, aber keine automatische Förderzusage: Die Statistik erfasst bereits genutzte Steuervergünstigungen, keinen neuen Barzuschuss.
Der Anstieg ist nominal und in Lira gemessen
Die indirekten Anreize erhöhten sich von 105,977 Mrd. Lira im Jahr 2024 auf 169,033 Mrd. Lira 2025. Das Plus beträgt 63,056 Mrd. Lira. Die Wachstumsrate ist nicht inflationsbereinigt und kann deshalb weder als realer Mittelzuwachs noch zum heutigen Wechselkurs als Dollar-Investitionssumme gelesen werden. Das Bulletin blickt auf den abgeschlossenen Steuerzeitraum 2025 zurück und ist keine Budgetankündigung für 2026.
Lohnsteuer und Körperschaftsteuer bestimmten den Umfang
Auf den Lohnsteuerabzug entfielen 86,105 Mrd. Lira beziehungsweise 50,9% der gesamten Unterstützung. Körperschaftsteuerliche Vorteile erreichten 81,063 Mrd. Lira, einkommensteuerliche 1,725 Mrd. Lira und Mehrwertsteueranreize 141 Mio. Lira. Es handelt sich um Steuermechanismen und nicht um frei verfügbare Zuschüsse. Die nutzbare Wirkung hängt von qualifizierender Tätigkeit, Personal, Dokumentation und Steuerbasis ab.
Information und Kommunikation stellte die meisten Begünstigten
Von 11.835 Unternehmen kamen 6.098 aus Information und Kommunikation, 2.421 aus dem verarbeitenden Gewerbe und 1.627 aus freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Tätigkeiten. Die Unternehmenszahl ist weder der Anteil am Förderwert noch ein Maß für Beschäftigung oder Export. Daraus folgt auch nicht, dass jedes Softwareunternehmen oder jede ausländische Niederlassung die Vergünstigungen beanspruchen kann.
Technologiezonen und das F&E-Gesetz zeigen verschiedene Schwerpunkte
Nach Gesetz Nr. 4691 über Technologieentwicklungszonen beliefen sich Einkommen- und Körperschaftsteueranreize auf 43,227 Mrd. Lira; 71,2% waren Information und Kommunikation zugeordnet. Nach Gesetz Nr. 5746 für F&E- und Designaktivitäten waren es 39,561 Mrd. Lira; davon entfielen 72,9% auf die Industrie. Die Werte beschreiben unterschiedliche Förderprofile, nicht eine beliebige Wahl des günstigsten Regimes.
Drei Viertel der Steuerbegünstigten nutzten den Technologiezonen-Weg
Von 7.087 Unternehmen mit Einkommen- oder Körperschaftsteuerunterstützung fielen 5.321 unter Gesetz Nr. 4691 und 1.766 unter Gesetz Nr. 5746. Das entspricht 75,1% und 24,9% nach Zahl der Unternehmen. Entscheidend sind Tätigkeit, Projekt, Standort und gesetzliche Voraussetzungen. Eine Adresse im Technopark macht nicht automatisch sämtliche Mitarbeiter, Rechnungen oder Erlöse förderfähig.
KMU dominierten die Zahl, Großunternehmen den Förderwert
KMU stellten 89,5% der 11.835 begünstigten Unternehmen, erhielten jedoch 38,2% des Gesamtvolumens. Großunternehmen machten 10,5% der Zahl aus und nutzten 61,8% der Anreize. Von 64,596 Mrd. Lira für KMU gingen 61,1% an mittlere, 32,1% an kleine und 6,8% an Kleinstunternehmen. Für einen Standortvergleich ist daher neben dem Zugang auch die tatsächlich nutzbare Größenordnung zu prüfen.
Prüfpunkte für deutsche und europäische Investoren
Vor dem Aufbau eines Labors, Entwicklungs- oder Designteams sollte geklärt werden, ob die konkrete Arbeit qualifiziert, welches Regime passt und wie geistiges Eigentum, Verrechnungspreise, Lohnsteuer und Körperschaftsteuer zusammenspielen. Lassen Sie die Voraussetzungen von einem zugelassenen türkischen Berater schriftlich bewerten und rechnen Sie das Projekt auch ohne Förderung. Belastbar ist nur: Die Türkei verfügt über ein großes F&E-Steuersystem mit starker Beteiligung von Technologie und Industrie; die Statistik ist keine Einzelgenehmigung oder Renditeprognose.