Am 9. Oktober 2026 wurde dem türkischen Parlament ein neun Artikel umfassender Entwurf für jene Investmentfonds vorgelegt, deren Liquidation durch die SPK-Beschlüsse vom 17. September begann und bei einem möglichen Inkrafttreten noch nicht abgeschlossen wäre. Entwurf Nr. 2/3939 sieht Vorschüsse bis 1 Mio. Lira, Rückgewinnungskonten und Ansprüche gegen Verantwortliche vor. Er liegt im Plan- und Haushaltsausschuss: Das ist noch kein Gesetz, bewirkt keine Kontogutschrift und nennt keinen persönlichen Auszahlungstermin. Separat hat Ziraat Bankası im bestehenden Verfahren Beträge für 17 Fonds von A1 Capital, Bulls und Pardus bereits an die zuständigen Banken und Broker überwiesen.
Im Ausschuss und noch nicht in Kraft
Die offizielle TBMM-Akte führt den Entwurf Nr. 2/3939 mit Eingang vom 9. Oktober 2026 und dem Plan- und Haushaltsausschuss als federführendem Ausschuss; Justizausschuss sowie Ausschuss für Industrie, Handel, Energie, natürliche Ressourcen, Information und Technologie beraten mit. Der Text kann sich in Ausschuss und Plenum ändern und müsste anschließend beschlossen und veröffentlicht werden. Die 1 Mio. Lira sind deshalb weder ein bereits genehmigter Anspruch noch ein Überweisungstermin.
Was die neun Artikel vorsehen
Der Entwurf gilt nur für die 131 Fonds aus den SPK-Entscheidungen vom 17. September, deren Liquidation bei Veröffentlichung eines künftigen Gesetzes noch läuft. Die SPK soll besondere Verkaufswege koordinieren, Inhaber über MKK, Takasbank, TEFAS, Verwahrer und Vertriebsstellen abgleichen und zurückgewonnene Werte Anlegern zuführen. Reicht die Liquidität nicht, soll MKK den Nettoanlagebetrag berechnen, indem Zahlungsströme mit dem arithmetischen Mittel der Änderungen von Verbraucherpreisindex und inländischem Erzeugerpreisindex aktualisiert und Entnahmen nach FIFO verrechnet werden. Ein Vorschuss bis 1 Mio. Lira würde mit der Schlusszahlung verrechnet und wäre keine zusätzliche Entschädigung.
Keine allgemeine Staatsgarantie
Nach der Begründung sollen Zahlungen aus dem Vermögen des jeweiligen Fonds und aus zurückgewonnenen, eingezogenen oder freiwillig zurückgezahlten Beträgen stammen, nicht aus dem Staatshaushalt. Vorgesehen sind fondsbezogene Rückgewinnungsunterkonten bei TMSF und Ansprüche gegen Portfoliomanager sowie andere festgestellte Verantwortliche. Personen, die die SPK als Beteiligte an Marktmissbrauch feststellt, sollen vom Sonderzahlungsmechanismus ausgeschlossen sein. Das sind vorgeschlagene Instrumente und keine Vollrückzahlungsgarantie.
Was sich am 8. Oktober geändert hat
Laut offizieller Mitteilung befindet sich die Liquidation von 17 Fonds von A1 Capital, Bulls und Pardus in der Schlussphase. Ziraat Bankası hat die Anlegerbeträge an die zuständigen Banken und Broker überwiesen; diese sollen die Kundenkonten schnellstmöglich gutschreiben. Die Mitteilung nennt weder eine einheitliche Uhrzeit noch bestätigt sie eine bereits erfolgte Gutschrift auf jedem Einzelkonto. Sie verlangt auch keine Freischaltgebühr. Anleger sollten das Depot beim lizenzierten Institut prüfen und den Buchungsbeleg sichern.
Ein engerer SPK-Vorschuss besteht bereits
Unabhängig vom Parlamentsentwurf gilt der SPK-Beschluss vom 1. Oktober für Fonds von Tera Portföy, Pusula Portföy, Atlas Portföy und Hedef Portföy, deren Liquidation mit den Entscheidungen vom 17. September begann. Er umfasst Anteilinhaber mit abgeschlossenem Abgleich; MKK ermittelt den Nettoanlagebetrag. Ein gesonderter Antrag oder eine Gebühr ist nicht vorgesehen, einen Zahlungsplan je Bank nennt die Mitteilung jedoch nicht.
Die Grenze von 1 Mio. Lira gilt je Anleger und je Fonds
Liegt die Nettoanlage in einem Fonds unter 1 Mio. Lira, soll die Zwischenzahlung diesem Betrag entsprechen; ab 1 Mio. Lira beträgt sie höchstens 1 Mio. Lira. Es handelt sich um einen Vorschuss auf den endgültigen Liquidationserlös, nicht um eine garantierte Mindestquote oder zusätzliche Entschädigung. Für den Vorschuss werden keine Anteile zurückgegeben; das geschieht erst bei der Schlusszahlung. Die SPK lässt die Umsetzung bei Geldmarktfonds beginnen.
Für A1 Capital, Bulls und Pardus gilt ein anderer Ablauf
Nach einer getrennten SPK-Entscheidung beginnt die Liquidation bei diesen drei Gründern mit Fonds, deren Name «Geldmarkt» enthält, und läuft anschließend von der höchsten zur niedrigsten Anlegerzahl. Nicht liquidierte, aber über TEFAS und andere Vertriebswege gesperrte Fonds können nach Abschluss der Liquidation gleichzeitig wieder öffnen; Termin und Handelsregeln legt der Gründer anhand von Portfolio, Liquidität, Markt und Anlegerinteresse fest. Ein gesperrter, nicht liquidierter Fonds mit Geschäften zu einem Liquidationsfonds darf von der beauftragten Bank früher geöffnet werden. Ein automatisches Datum nennt die SPK nicht.
Welche Bank für welchen Fonds zuständig ist
Die SPK hat Türkiye İş Bankası für die Fonds von Tera Portföy eingesetzt. Ziraat Bankası übernimmt die Fonds von A1 Capital Portföy, Atlas Portföy, Bulls Portföy, Hedef Portföy, Pardus Portföy und Pusula Portföy. Die Banken dürfen die für die Liquidation notwendigen Gründeraufgaben wahrnehmen und behalten ihre Verwahrpflichten. Ihre Bestellung ist jedoch keine Garantie für Marktwert, Verbindlichkeiten oder vollständige Rückzahlung eines Fonds.
Zwei Arbeitstage für den Anteilsabgleich
Innerhalb von zwei Arbeitstagen nach Inkrafttreten sollen MKK und Banken die umlaufenden Anteile jedes Fonds mit den individuellen Verwahrkonten abstimmen. Erfasst werden auch Verpfändungen, Pfändungen, gerichtliche Maßnahmen, sonstige Beschränkungen und nicht ausgeführte Aufträge. Anleger sollten einen datierten Auszug mit Fondscode, vollständigem Namen, Stückzahl und Status offener Rückgabeaufträge sichern, um Abweichungen beim lizenzierten Vermittler belegen zu können.
Zehn Arbeitstage für Vermögen, Schulden und Kosten
Verwahrpflichtige Finanzwerte werden bei Takasbank unter den Konten der beauftragten Banken geführt. Frühere Verwahrstelle, Bank und Takasbank gleichen Forderungen und Verbindlichkeiten ab; bei Fondskosten wirkt die Fondsdienststelle mit. Bulletin 2026/61 setzt dafür höchstens zehn Arbeitstage nach dem SPK-Beschluss. Das ist eine operative Abstimmungsfrist und kein Versprechen, jeden Anleger binnen zehn Tagen auszuzahlen.
Minister beziffert den Umfang auf 131 von 2.038 Fonds
In einem NTV-Interview am 18. September sagte Mehmet Şimşek, betroffen seien 131 der 2.038 Fonds und etwa 10–11% des Fondsvermögens; rund 90% des Marktes arbeiteten normal weiter. Er bezeichnete das Geschehen als begrenztes Kredit- und Liquiditätsproblem und nicht als marktweiten strukturellen Systemrisikofall. Das ist die Einschätzung der Regierung für das Gesamtsystem, aber keine Garantie für Rückzahlung, Anteilwert, Zugriffstermin oder künftige Schwankungsfreiheit eines einzelnen Fonds.
Wie Verkäufe und Auszahlungen funktionieren sollen
Die Banken dürfen Portfoliovermögen in einer von ihnen bestimmten Häufigkeit verkaufen und müssen Anlegerinteresse, Markttiefe und Liquidität berücksichtigen. Geld aus Fälligkeiten und Verkäufen kann gemäß Zahlungsplan vorübergehend in Geldmarktinstrumenten angelegt werden. Zu von den Banken festgelegten Zeitpunkten wird verfügbares Geld entsprechend dem Anteilsbesitz auf abgestimmte Einzelkonten verteilt. Teilzahlungen sind damit möglich; einen einheitlichen Termin, Betrag oder Prozentsatz gibt es nicht.
Was mit Aufträgen vom 16. und 17. September geschah
Die SPK-Klarstellung vom 28. September ersetzt die frühere Auslegung der 13:30-Uhr-Grenze. Nur TEFAS-Kauf- und Rückgabeaufträge bis einschließlich 16. September gingen in die reguläre Abwicklung. Sämtliche Aufträge vom 17. September stornierte die Plattform, weil die Fonds bereits für den Handel gesperrt waren. Die dahinterstehenden Anleger bleiben an der Liquidation beteiligt und erhalten ihren proportionalen Anteil am Restvermögen. Bis 16. September erteilte, aber wegen Ausfall des Fonds oder fehlender Preisveröffentlichung nicht ausgeführte Aufträge gehören ebenfalls zum Liquidationsverfahren. Lassen Sie sich für das konkrete Depot Zeitstempel und Endstatus vom lizenzierten Vermittler schriftlich bestätigen.
Welche Unterlagen Anleger jetzt sichern sollten
Speichern Sie den jüngsten Depotauszug, Fondscode und vollständigen Namen, Anzahl der Anteile, Transaktionshistorie sowie den Status offener Aufträge. Fragen Sie Bank oder Broker schriftlich, ob ein Auftrag angenommen, abgelehnt oder noch vorgemerkt ist, und verlangen Sie den maßgeblichen offiziellen Hinweis. Übermitteln Sie niemandem Passwort, SMS-Code, Ausweisbild oder Geld für eine angebliche Freigabe. Die SPK-Entscheidung schafft keinen privaten kostenpflichtigen Schnellweg.
Warum die SPK die allgemeinen Fondsregeln verschärft hat
In einer separaten Erklärung vom 18. September teilte die SPK mit, dass ihre Überwachung Ende 2025 bei einigen Fonds — vor allem freien Fonds und Geldmarktfonds — Bewegungen in Aktien mit geringem Streubesitz festgestellt habe, die sich nicht durch wirtschaftliche oder fundamentale Entwicklungen erklären ließen. Der Finanzstabilitätsausschuss beriet das Thema am 2. Dezember 2025, eine SPK-Arbeitsgruppe begann am Folgetag. Am 18. Dezember wurde die Finanzvermögensschwelle für qualifizierte Anleger von 1 Mio. auf 10 Mio. Lira erhöht; neue TEFAS-Grundsätze traten am 20. Juli 2026 in Kraft, die Bewertung börsengehandelter GYF- und GSYF-Bestände wurde nach dem 31. Juli geändert und der endgültige Leitfaden am 28. August veröffentlicht. Die SPK begründet das Paket mit Sparerschutz, Transparenz sowie der Eindämmung von Manipulation und unbesicherten Geschäften mit verbundenen Parteien. Die 10-Mio.-Lira-Schwelle ist eine Voraussetzung für den Status als qualifizierter Anleger, keine allgemeine Mindestanlage und keine rückwirkende Schutzgarantie. Der Hintergrund ändert weder Banken noch Abstimmungs- und Auszahlungsregeln für die 131 Fonds nach Bulletin 2026/61.
Separat lockert das Bulletin die Mindestdeckung bei Kreditgeschäften
Bis zum Handelsschluss am 2. Oktober 2026 dürfen Broker im Rahmen ihrer eigenen Risikopolitik und unter Berücksichtigung von Kundenwünschen eine Mindest-Erhaltungsquote von 20% statt 35% anwenden. Das ist eine Erlaubnis zur Flexibilisierung, keine Pflicht, jede Kundenanforderung zu senken. Verluste, Nachschusspflichten, offene Orders oder strengere vertragliche Broker-Limits werden dadurch nicht aufgehoben.
Euro-Anleger müssen Konto, Steuer und Wechselkurs getrennt prüfen
Wer in Deutschland oder Europa steuerlich ansässig ist, kann zusätzlich Fragen zu Depotzugang, Steuerbehandlung, Auszahlungskonto und Lira-Umtausch haben. Das Bulletin regelt diese Punkte nicht. Bestätigen Sie beim lizenzierten Vermittler die hinterlegte Bankverbindung und Erreichbarkeit, besonders bei einer ursprünglich grenzüberschreitenden Finanzierung. Ein möglicher Erlös sollte nach Gebühren sowohl in Lira als auch in Euro berechnet werden; der Wechselkurs bleibt ein eigener Risikofaktor.
Sechs Monate sind eine Obergrenze, keine Mindestwartezeit
Der SPK-Beschluss vom 20. September ersetzt in Punkt A/8 den Drei- durch einen Sechsmonatsrahmen. Die Aufsicht begründet dies damit, Portfoliovermögen unter Berücksichtigung von Struktur und Marktbedingungen günstiger veräußern zu können. Die Liquidation darf früher abgeschlossen werden; alle anderen Bestimmungen bleiben unverändert. Anleger sollten KAP, beauftragte Bank, Vertrieb und SPK verfolgen, denn die neue Obergrenze ist kein persönlicher Auszahlungstermin und garantiert weder Betrag noch Rückzahlungsquote.
Grand National Assembly of Turkey — Bill No. 2/3939 and parliamentary status, 9 October 2026 →
Capital Markets Board of Turkey (SPK) — interim-payment announcement, 1 October 2026 →
Capital Markets Board of Turkey (SPK) — TEFAS order clarification, 28 September 2026 →
Capital Markets Board of Turkey (SPK) — liquidation duration update, 21 September 2026 →
Capital Markets Board of Turkey (SPK) — Bulletin No. 2026/61, 17 September 2026 →
Capital Markets Board of Turkey (SPK) — Bulletin No. 2026/60, 17 September 2026 →
Capital Markets Board of Turkey (SPK) — press announcement, 17 September 2026 →
Capital Markets Board of Turkey (SPK) — fund guide process statement, 18 September 2026 →
Finance Minister Mehmet Şimşek — NTV interview remarks reported 18 September 2026 →
Borsa Istanbul — official TEFAS financial-literacy explainer →